FAQ

Hier findet ihr, wie bei einem Frequently Asked Questions-Bereich üblich, schoneinmal „vorab“ ein paar Antworten. Wir hoffen, dass danach eventuelle Fragen geklärt sind. Falls nicht, könnt Ihr euch gerne bei uns melden und konkret nachfragen: schwarz-statt-braun [at] gmx.de

 

[F] Was macht für Euch die Schwarze Szene aus? Was ist Gothic?

[A] Die Schwarze Szene ist für uns ein Raum, in dem sich höchst verschiedenartige, sehr individuelle Entwürfe von Lebens- und Augenblicksgenuss und von Schönheit verwirklichen können. Es ist ein Raum für Leute mit einem wachen Blick für die Grenzbereiche und Schattenseiten des menschlichen Daseins – Leute, für die nicht alles immer schön bunt, total lustig und super gut drauf ist. Wegen dieser hohen Individualität und Unangepasstheit sind Ideologien von Volksgemeinschaft, Führertum und menschlicher Ungleichwertigkeit unvereinbar mit der Schwarzen Szene. In einer Gesellschaft, wie sie die Rechten sich erträumen, wäre mit der Vielfalt und Freiheit bald Schluss – auch in der Schwarzen Szene.

 

[F] In der Schwarzen Szene geht es viel um Gewalt und Tod, Wahnsinn und Verzweiflung. Ist doch kein Wunder, dass sich viele zur Nazi-Ästhetik, einige auch zur Nazi-Ideologie hingezogen fühlen. Schließlich gelten die Nazis als das absolut Böse, und von dem geht bekanntlich eine gewisse Faszination aus… Kämpft ihr nicht gegen Windmühlenflügel, wird es nicht aufgrund der Seelenverwandtschaft immer rechte Tendenzen in der Gothic-Szene geben?

[A] Natürlich kennen wir so etwas wie die Faszination des Bösen. Aber von etwas fasziniert zu sein, heißt nicht, entsprechende Überzeugungen zu teilen. Vor allem bedeutet es nicht, dass man sich nicht mehr kritisch damit auseinandersetzen muss. Dazu gehört auch, sich selbst zu fragen, warum man eigentlich von so etwas fasziniert ist. Das gilt nicht nur für faschistische Ästhetik, sondern auch für Mittelalter, Heidentum, den Zusammenhang von Gewalt und Sex und alles Mögliche andere, was in der Schwarzen Szene eine Rolle spielt.

 

[F] Die schwarze Szene ist tolerant und vielfältig. Wieso soll man dort nicht auch rechts sein dürfen?

[A] Zunächst sollte es in der Diskussion nicht primär um links und rechts gehen (diese Labels werden gerne als vermeintliche Argumente benutzt, um eine Diskussion abzuwürgen).
Wir verstehen den Begriff „Toleranz“ etwas anders als manche in der Schwarze Szene. Ob jemand „rechts“ ist, hat ein bisschen mehr zu bedeuten als die Frage, ob jemand einen Sidecut oder einen Undercut hat und ich das tolerieren kann. „Rechte“ Ideologien gehen von der Ungleichwertigkeit der Menschen nach Herkunft, Geschlecht und sexueller Orientierung aus. Sie streben klare, feste, hierarchische Gemeinschaften wie Nation und Rasse an. Sie beleidigen, bedrohen, grenzen aus, verfolgen und ermorden. Es geht hier um die Frage, ob die Szene – und die Gesellschaft drum herum – frei und offen bleiben oder werden.

 

[F] In unserer Gesellschaft besteht Meinungsfreiheit, also sind doch auch rechte Meinungen zulässig. Seid ihr gegen die Meinungsfreiheit?

[A] Ganz im Gegenteil – wir machen von unserer Meinungsfreiheit Gebrauch. Die Leute, die sich am lautesten auf Meinungsfreiheit berufen, wollen häufig nur ihre eigene Meinung gelten lassen und vertragen keine Kritik. Wir finden, es sollten nicht immer nur beliebige „Meinungen“ einfach so nebeneinander stehen. Lasst uns doch mal stattdessen Argumente austauschen!

 

[F] Seid ihr von der Antifa?

[A] Nein. Wir sind ein szeneinterner Zusammenschluss von Menschen, die über menschenverachtende Ideologien und Symbole in der schwarzen Szene informieren und dagegen protestieren wollen. Wenn sich Herangehensweisen und Ziele decken, haben wir aber auch kein Problem damit, mit antifaschistischen Personen oder Gruppen zusammenzuarbeiten. Wenn sich solche Personen oder Gruppen für irgendetwas innerhalb der Schwarzen Szene interessieren, können sie uns gerne ansprechen. „Die Antifa“ gibt es übrigens gar nicht, sondern vielmehr weitgehend unabhängig voneinander agierende Gruppen, Netzwerke und Personen die sich inhaltlich und praktisch massiv voneinander unterscheiden.

 

[F] Ist die „Schwarze Sonne“ nicht ein germanisches Symbol, das von den Nazis nur missbraucht worden ist?

[A] Die „Schwarze Sonne“, wie sie u.A. auf den WGT-Obsorge-Tickets von 2009 dargestellt wurde, ist eine Erfindung der Nationalsozialisten.

 

[F] Die „Schwarze Sonne“ ist kein verbotenes Symbol. Dann ist es doch okay, sie zu verwenden.

[A] Etwas, das nicht verboten ist, kann uns dennoch stören. Ob etwas verboten ist oder nicht, wird auch nur von Menschen entschieden und ist weder ein Argument noch der Weisheit letzter Schluss; es ändert sich mit den Umständen. Das Problem ist doch nicht, ob etwas verboten ist oder nicht – das Problem ist, wofür die „Schwarze Sonne“ steht.

 

[F] Wollen die meisten, die rechte Symbolik benutzen, nicht nur provozieren?

[A] Was soll Provokation um ihrer selbst willen? Will man solche Symbole wie die „Schwarze Sonne“ salonfähig machen? Oder will man ein rechtes Publikum anziehen? Die Organisatoren des WGT lassen seit vielen Jahren rechte oder rechtsoffene Bands und Verkaufsstände auf ihr Festival. Dabei sagen sie immer wieder, das WGT sei unpolitisch. Da stellt sich doch die ernste Frage, ob Sie wirklich „nur“ provozieren wollen, oder nicht viel eher ein Bekenntnis ablegen… Und ein solches Bekenntnis ablegen wollen übrigens auch Andere, welche die „Schwarze Sonne“ benutzen, wie z.B. die NPD.

 

[F] Gegen Anarchie-Symbole oder rote Sterne sagt ihr nichts. Das sind doch auch verfassungsfeindliche Symbole.

[A] Anarchie-Symbole oder rote Sterne transportieren zumindest kein Bekenntnis zu Völker- und Rassenhass oder dergleichen. Viele Leute, die mit solchen Symbolen rumlaufen, sind ganz einfach unzufrieden mit den jetzigen Zuständen und denken über eine freiere Gesellschaft nach. Sollte es allerdings geschehen, dass z. B. eine Band sich positiv auf Stalin bezieht oder seine Taten verherrlicht, dann würden wir auch das kritisieren.

 

[F] Wie kann ich euch unterstützen?

[A] Wenn du bei uns mitmachen oder uns anderweitig unterstützen möchtest, schreibe einfach eine Mail an:
schwarz-statt-braun [at] gmx.de

 
 

Advertisements